Luluvoyage: Postojna & Škocjan

In den Untergrund von Slovenien

Wie bereits zugegeben war ich zu Beginn unserer Reise von argloser Unwissenheit beseelt, was unser Reiseziel anbelangt. Von daher war mir auch bis dahin nicht bekannt, dass Slovenien die zweitgrößte für Touristen erschlossene Tropfsteinhöhle der Welt beherbergt. Die Höhlen von Postojna (Postojnska jama) liegen nahe der gleichnamigen slovenischen Stadt und sind mit dem Bus von Ljubljana aus gut zu erreichen. Über die Führungen sollte man sich am besten vorher hier informieren.

Das komplette Höhlensystem der Postojnska jama umfasst über zwanzig Kilometer an Gängen und Tunneln, weshalb wir zu Beginn der Tour in einem elektrischen Höhlenzug platziert werden. Vor uns im Wagon, hinter uns und in jeder Ritze finden wir asiatische Touristen, die ein wenig Hektik versprühen. „What a bummer“, denken wir, weil wir befürchten in eine Falle getappt zu sein. Die olmigen Souvenire am Eingang hätten uns eigentlich schon zweifeln lassen müssen. Wir beschweren uns erst einmal, weil wir nicht finden, dass man so eine Höhle im Bummelzug entdecken sollte. Doch nach einigen Kilometern durch engste Wege und Tunnel macht das alles irgendwie schon etwas mehr Sinn.

Mit der rot-gelben Bahn am Großen Berg angekommen, steigen wir aus, um die nächsten zwei Kilometer der Höhle gruppendynamisch zu Fuß zu erkunden. Endlich wie ein wahrer Entdecker fühlen  auf befestigten Wegen und mit elektrischem Licht. Einen sonderlichen Temperaturschock haben wir nicht zu erleiden, da es in der Höhle das gesamte Jahr über 10 Grad beträgt. Über eine von russischen Gefangenen gebaute Brücke geht es durch die unterschiedlichsten Höhlensäle, welche nach den Farben und Formen der Tropfsteine benannt wurden (im roten Saal sind sie durch Eisenoxid rot verfärbt, Kalk herrscht im weißen Saal vor). Ich fühle mich in meinen Geografieunterricht der 7. Klasse zurück versetzt, kann mich aber an nichts mehr erinnern. Wir lauschen also gespannt den Erklärungen des Tourguides und betrachten fasziniert dieses Wunder der Natur. Circa 30 Jahre brauchen Tropfsteine, um gerade mal einen Millimeter zu wachsen – da kommt einem die eigene Zeit auf Erden direkt nichtig vor. Es geht weiter bis zum Gang des Brillanten – der wegen seiner Schönheit berühmteste Tropfstein und deshalb auch Symbol der Höhlen von Postojna. Der Stalagmit ist strahlend weiß, fünf Meter hoch und hat wie ich finde eine sehr einschlägige Form. Außerdem wirkt er etwas klobig, besonders neben seinem Nachbarn, dem Stalagnat, doch ihre Absurdität verleiht beiden Anmut.

Knock, knock. Who`s there? It´s Grottenolm

Ein weiterer Star der Höhlen von Postojna ist der Grottenolm (Proteus anguinus). Dieses kleine einsame Lebewesen ist in den Höhlengewässern der Karsthöhlen zu Hause. Da es schwierig ist den scheuen Lurch einfach so im Höhlensee schwimmend zu entdecken, endet die Führung an einem Aquarium, welches sich im Konzertsaal befindet. In diesem haben ein paar wenige Grottenolme ein neues Heim bezogen und zur Freude der Höhlenforscher hat ein Weibchen gerade Eier gelegt die kleinen blinden Schwanzlurche scheinen sich hier also trotz allem ganz wohl zu fühlen. Zum Glück bekommen sie die unzähligen Touristenaugen nicht zu Gesicht, welche sie tagtäglich anstieren. Auch wir werfen einen kurzen Blick ins Olm-Domizil, sind aber schnell angeödet, weil wir uns schon vor Führungsbeginn an den Grottenolm-Souveniren vorm Höhleneingang satt gesehen haben. Ein wenig faszinierter sind wir vom Ausmaß des Saals, in welchem wir uns befinden und in dem bis zu 1.000 Besucher empfangen werden können. Wie pathetisch ein Konzert an diesem Ort sein muss kann ich mir leider nur vorstellen. Von hier aus geht es nun wieder mit dem Höhlenzug zurück an die Oberfläche, doch bevor uns das Tageslicht in die Augen sticht, bekommen wir noch für viel zu viel Geld ein Foto von uns angeboten, welches während unserer Fahrt mit der Achterbahn geschossen wurde. Ich lehne den Kauf dankend ab.

Fazit: Auch wenn sich der Besuch der Höhlen von Postojna nicht unglaublich individuell und entdeckermäßig anfühlt, so kann ich ihn dennoch empfehlen, weil dieser Ort trotz Touristeneinmärsche nichts von seiner Faszination verloren hat. Wer einen Ausflug zu den Höhlen von Postojna plant, der findet hier alle wichtigen Informationen.

Zeit für eine Mittagspause. Gar nicht so leicht, denn bis zur nächsten Abfahrt bleibt nicht viel Zeit und die kulinarische Szene ist in Postojna nicht gerade ausufernd. Doch wir haben Glück und entdecken dank Foursquare auf unserem Weg zurück eine ausgezeichnete Pizzeria. Kurz überlegen wir, ob wir noch einen Ausflug zur neun Kilometer entfernten Höhlenburg Lueg (Predjamski Grad) einschieben können, doch leider ist man ohne Auto hier etwas unflexibel unterwegs und Aussicht auf einen Bus gibt es so schnell auch nicht. Also bleiben wir unserem Plan treu und steigen nach einiger Verwirrung um den Fahrplan in den nächsten Bus Richtung Škocjan.

Ein Ort ebenso bedeutend wie der Grand Canyon oder der Everest

Circa eine halbe Stunde vergeht, bis wir an einer einsamen Haltestelle in Divača aussteigen. Näher kommen wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht an unser Ziel. Das bedeutet für uns nun läppische vier Kilometer Fußmarsch bis wir die Höhlen von Škocjan (Škocjanske jame) endlich erreichen. Diese wurden im Jahr 1986 in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen und gehören zur wichtigsten Touristenattraktion des Landes. Wieder einmal sind wir ganz eins mit der Natur und meinen gelegentlichen Nörgeleien, weil ich Wanderungen erst einmal immer aus Prinzip ablehne und am Ende doch ganz gut finde. Am Aussichtspunkt des Regionalparks Škocjanske jame angekommen ändert sich meine Stimmung schlagartig, denn dieser Anblick lässt jeden Unmut verfliegen. Höhlen von Škocjan © Luisa Sancelean

Von dieser Aussicht aus sind es auch nur wenige Stufen zum Eingang der Höhle. Bereits 15.30 Uhr startet die letzte Führung an diesem Tag, das hat gerade noch so hingehauen. Es scheint mir ganz schlau, sich darüber vorher zu informieren, was man am besten hier macht.

Dieses Mal ist alles anders: kein Zug, keine asiatischen Touristen und keine Souvenirshops. Stattdessen sind wir die nächsten Stunden zu Fuß unterwegs und in Begleitung von einer Handvoll junger Wanderschuhträger. Das fühlt sich schon viel besser an. Die Höhlen von Škocjan sind auf eine ganz andere Art und Weise faszinierend. Das absolut Highlight ist der größte, teilweise bis zu 146m tiefe unterirdische Canyon Europas. Diese Dimensionen und Tiefen sind kaum zu erfassen und üben eine unglaubliche Anziehungskraft aus. Es ist wirklich kaum in Worte wiederzugeben, was man dort zu sehen bekommt. Abstrus wird es, wenn man auf seinen befestigten und beleuchteten Wegen die Pfade der ersten Höhlenforscher entdeckt. Kaum zu glauben, dass in der ganzen Zeit nur ein Mensch in der Höhle gestorben ist. Nach sechs Kilometern durch den Untergrund erreichen wir wieder den Ausgang der Höhle. Zum Ausklang unternehmen wir einen kurzweiligen Spaziergang bis es wieder durch den Park zurück nach Divača geht. Dort angekommen warten wir eine halbe Ewigkeit verzweifelt auf den nächsten Bus und beobachten die Dorfbewohner, die sich nebenan zum Grillen und verantwortungslosen Trinken versammelt haben.

Höhlen von Škocjan © Karl Schaeffler

Höhlen von Škocjan © Luisa Sancelean

Höhlen von Škocjan © Luisa Sancelean

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