Luluvoyage Travel Guide: Seoul

Luluvoyage Travel Guide to Seoul

Eine Woche Seoul im Gangnam Style

Das Reisejahr 2017 beginnt für uns mit einem zweiwöchigen Trip nach Asien. Berlin – Seoul – Tokyo – Berlin heißt unsere Reiseroute und über London bringt uns British Airways zu unserem ersten Ziel: Seoul. Wir landen am Incheon International Airport und bekommen gleich die Kulturschock-Faust ins Gesicht geschmettert. Während wir völlig abgerissen nach 24 Stunden  auf den Beinen aus dem Flieger kriechen und uns alles nur noch egal ist, entdecken wir am Ausgang dutzende Koreaner und Koreanerinnen auf Bänken sitzend und sich schminkend, kämmend und aufhübschend. Die erste Lektion ist gelernt: Don´t mess with my style! Äußerlichkeiten werden perfektioniert und sind von größter Bedeutung.

Wir hingegen haben weiterhin dringend eine Dusche nötig, müssen uns aber erst einmal bis zu unserem Airbnb-Appartement durchschlagen. An der Touristen-Information organisieren wir uns deshalb für 4,000 won (ca. 3 Euro) die Korea Tour Card, um mit dem A’REX in die Stadt hineinzufahren. Da diese bar bezahlt werden muss, führt der erste Weg zum ATM. Dieser ist jedoch nicht ganz leicht zu bedienen und so verbringen wir die erste halbe Stunde in Seoul fluchend hinter einer Maschine, die uns eigentlich nur ein paar Scheine spendieren sollte, stattdessen aber seine eigene private Disco abfährt. Nach einigen Anläufen spuckt der Automat endlich das Geld aus und wir können die Tour Card mit Guthaben aufladen. Nach zwei Mal Umsteigen und über einer Stunde Fahrtzeit heißt es dann endlich Endstation Gangnam für uns. Dank einer sehr detailreichen Wegbeschreibung finden wir unser Airbnb im 13. Stock eines gläsernen Hochhauses auf Anhieb.

Gangnam Seoul © Luisa Sancelean

Übernachten in Seoul mit Airbnb

Wie auch bereits auf unseren bisherigen Reisen übernachten wir während unseres Aufenthalts in Seoul in einem Airbnb-Appartement. Wir entscheiden uns für das Stadtgebiet Gangnam – nicht, weil wir so große K-Pop Fans sind, sondern weil uns das Geschäftsgebiet südlich des Han-Flusses lebhaft erscheint und wir hier ein Airbnb zum angemessenen Preis finden konnten, welches ich euch hier verlinke. Dank Wochenrabatt bezahlen wir zu dieser Jahreszeit zusammen nur knapp 50 Euro pro Nacht. Alles in allem ein faires Preis-Leistungsverhältnis, weil das kleine Appartement bestehend aus einem Wohn-/Schlafzimmer und einem Badezimmer super ausgestattet und zudem wirklich sauber ist. Besonders wichtig war uns bei der Buchung außerdem, dass uns transportables WLAN in Form eines Wifi-Eggs zur Verfügung steht, damit wir uns in Seoul unabhängig von öffentlichen WLAN-Netzen orientieren können. Weiterhin war das Vorhandensein einer Waschmaschine Bedingung, da wir für nur eine Woche Kleidung eingepackt haben, um in unseren Koffern noch genügend Platz für unsere Shopping-Ausbeute zu haben – ein absolutes Muss, denn Seoul ist ein Paradies zum Geldausgeben. Auch über den Schlafkomfort sollte man sich im Vorhinein Gedanken machen, denn bei der Entscheidung für ein Airbnb muss beachtet werden, dass einige Appartements keine klassischen Betten mit Gestell und Matratze, sondern nur eine traditionelle und relativ dünne Bodenauflage zum Schlafen haben. Da ich den Erholungsfaktor im Urlaub nicht direkt riskieren wollte, habe ich auch das europäische Bett zur obersten Priorität erhoben. Mich würde allerdings mal interessieren, wie bequem oder ungemütlich diese traditionelle koreanische Variante des Bettlagers ist.

Airbnb in Seoul © Karl Schaeffler

Die Lage direkt an der U-Bahn-Station Gangam Station ist ein weiteres Plus, da man hier mit der grünen Linie ziemlich gut angebunden ist. Zwar benutzen  wir während der gesamten Zeit kaum eine andere Linie, allerdings sind wir mit dieser auch immer ziemlich lange unterwegs. Da die meisten Sehenswürdigkeiten, Shopping- und Ausgehviertel nördlich des Han-Flusses liegen, müssen wir jeden Tag knapp 50 Minuten Metrofahrt pro Weg einplanen. Im Nachhinein würde ich deshalb empfehlen nach einer Unterkunft in den Vierteln nördlich des Flusses zu suchen – beispielsweise könnte man in der wunderschönen Gegend des Bukchon Hanok Village Ausschau halten. Generell muss man in Seoul jedoch lange Wege immer in Kauf nehmen. Jedes Mal wenn wir denken, dass etwas nur ein paar Häuserblocks entfernt liegt, ziehen sich die Straßen endlos hin – hier wird das Ausmaß der Metropole spürbar.

Beim Erkunden unserer neuen Bleibe für die kommende Woche wird uns auch direkt klar, warum Seoul als modernste Stadt der Welt gehandelt wird. Statt Schlüssel gibt es an jeder Tür Zahlencodes, die Toilette hat mehr Knöpfe als meine heimische Fernsehbedienung und das WLAN gibt es hier im praktischen Handtaschenformat zum Mitnehmen. Zudem befindet sich im Zimmer ein Lautsprecher, der sich mit einer Eingangsmelodie bemerkbar macht, wenn er etwas zu vermelden hat. Ob dieser Kommunikationskanal allerdings für Werbung oder für wichtige Hinweise gedacht ist, bleibt unerforscht. Als sich einmal eine koreanischen Frauenstimme zu uns ins Zimmer schaltet und ihre Bandansage herunterbetet, ignorieren wir das Geschehen gekonnt. Abgesehen von all den technischen Gadgets beeindruckt auch der Ausblick der kleinen Wohnung. Das riesige Fenster gibt den Blick auf die Nachbarschaft von Gangnam und seine unzähligen Hochhäuser frei – ein einmaliges Szenario, welches sich mir nun jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen darbietet.

Gangnam in Seoul © Luisa Sancelean

Shopping in Seoul

Wenn es ums Shoppen geht, dann ist das Einkaufsviertel Myeong-dong die beste Adresse. Hier haben alle großen Ketten und koreanischen Marken ihre Stores. Zwei Millionen Menschen tragen in diesem Viertel täglich ihre Einkaufstüten umher. Neben den Geschäften gibt es auch zahlreiche Cafés in den oberen Etagen der Häuser zu entdecken. Diese sind allerdings oft schwer zu finden und nur über schmale Treppen oder Fahrstühle zu erreichen. Außerdem gibt es auf der Flaniermeile unzählige Stände mit Leckereien – von Regenbogen-Zuckerwatte bis Oktopus am Stiel. Auch der Lotte Departement Store ist bei Touristen relativ beliebt, wir haben allerdings keine Lust durch diese riesige Mall zu laufen. Wir laufen lieber durch die Straßen, als durch stickige Malls. In Myeong-dong entdecken wir auch die zwei Bekleidungsgeschäfte, in denen wir am meisten zuschlagen und welche ihr definitiv bei einem Besuch in Seoul aufsuchen solltet. Åland ist die koreanische Version von Urban Outfitters. Hier gibt es auf vier Etagen Frauen- wie auch Männermode, internationale sowie koreanische Modemarken, Vintage-Kleidung, Accessoires, Makeup, Interior & Stationery Produkte.

Åland
35-6 Myeongdong2ga, Seoul, Myeongdong, 100-810

Stylenanda in Seoul © Luisa Sancelean

Die neusten Trends der koreanischen Frauenmode findet ihr außerdem in Stylenanda. Im Stylenanda Pink Hotel Flagship-Store durchlaufen wir auf mehreren Etage eine Wes Anderson-artige Kulisse – von Luxushotel über Waschsalon bis Hallenbad. Zwischendrin stehen Kleidungsständer mit absolut individuellen Fashion-Pieces, das meiste Onesize und in kleiner Stückzahl. Ich entscheide mich ausgerechnet für einen schwarzen Hoodie – weil die Berliner Seele sich an die exzentrischen und farbenfrohen Modetrends noch nicht heranwagt.

Stylenanda Pink Hotel Flagship Store & Pink Pool Cafe
37-8, Myeongdong 8-gil, Jung-gu, Seoul, Republic of Korea (66-2, Chungmuro 2-ga)

Stylenanda Pink Hotel in Seoul © Luisa Sancelean

Stylenanda Pink Hotel in Seoul © Luisa Sancelean

Stylenanda Pink Pool Café in Seoul © Luisa Sancelean

Wenn ihr in Myeong-dong alle Geschäfte abgegrast und immer noch nicht genug habt, dann solltet ihr zum nächsten Viertel übergehen. Hongdae ist das Studentenviertel von Seoul, wo sich ebenfalls ein Modegeschäft an das andere reiht – von koreanischen Boutiquen über nationale Modeketten bis hin zu europäischen und amerikanischen Markengeschäften. Wer den Streetstyle der Stadt sehen möchte, der hat den Laufsteg hier vor sich liegen und kann sich von den Massen junger Fashionmongers und Trendsetter inspirieren lassen.

Obwohl man schon von den vielen Bekleidungsgeschäften zum  Shoppen verführt wird – jede Metrostation ist hier zur kleinen Mall umfunktioniert – nach einer Woche Seoul habe ich mehr Geld in neue Beauty-Produkte, als in neue Kleidung investiert. An den koreanischen Kosmetik-Ketten Etude House, Tony Moly, Skinfood, Nature Republic und Holika, Holika kommt man in Seoul unter keinen Umständen vorbei. Beauty-Shops lauern einfach überall! Innerhalb weniger Meter reihen sich die Filialen aneinander. Man braucht nicht einmal danach zu suchen. Da ich bereits im Vorhinein weiß, wie fame koreanische Kosmetikprodukte sind, muss ich mich natürlich selbst vom Angebot überzeugen, doch einmal drin, entdecke ich die große weite Welt der koreanischen Hautpflege und kann nicht mehr aufhören alles ausprobieren und kaufen zu wollen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht in Etude House hineinspaziere. Nach einer Woche Inspektion ist Etude House mein absoluter Favorit unter den Kosmetikgeschäften, obwohl ich einige Produkte hier nicht finden kann und deshalb woanders zuschlage. Was ich hier alles so in die Taschen packe, das berichte ich euch in einem kommenden Beitrag. So viel sei gesagt: am Ende der Woche ist mein Koffer heillos mit neuen Kosmetikprodukten überfüllt.

Natürlich könnte ich noch weitere Romane über die Shoppingmöglichkeiten in Seoul schreiben, aber da diese Stadt fast nur darauf ausgelegt ist, wird man sich dem sowieso nicht entziehen können und jeder wird mit Sicherheit das finden, wonach er sucht. Von günstigen Straßenständen bis hochpreisigen exklusiven Designergeschäften ist alles massenhaft vorhanden. Generell würde ich allerdings nicht gerade behaupten, dass Shopping hier besonders günstig ist. Selbst im Migliore Dongdaemun Shopping Center, wo sich auf fünf Etagen hunderte kleine Marktstände mit Bekleidung, Schuhen, Taschen und Accessoires aneinanderreihen, sind die Preise nicht gerade günstig. Wer jetzt denkt, dass die Preise stark heruntergehandelt werden, der liegt ebenfalls falsch. 10 – 30 Prozent sind das Maximum. Abgesehen stelle ich mit der Zeit fest, dass die Klamotten in diesen Malls und in den Metrostationen überall dieselben sind. Wirklich Neues bekommt man nur in den Geschäften.

Shopping in Seoul © Luisa Sancelean

Good to know: Wann immer es ums Anprobieren der Kleidung geht könnte es schwierig werden. In manchen Geschäften ist das Anprobieren von geschlossenen Oberteilen komplett untersagt. Andere Shops wiederum stellen einen Gesichtsschutz zur Verfügung, welchen man sich über den Kopf ziehen muss. In Malls wie Magliori ist die Kleiderprobe überhaupt nicht möglich, weil an den kleinen Ständen kein Platz für Umkleidekabinen ist. Der Grund für diese ziemlich strenge Handhabe ist allerdings recht nachvollziehbar und wird uns auch immer wieder von den Verkäuferinnen erklärt – durch die dicken Makeup-Schichten im Gesicht der Koreanerinnen würden die Kleidungsstücke nicht lange schön aussehen und nicht mehr verkauft werden können. Diese sehr leichten Kopfüberzüge sind meiner Meinung nach eine wirklich clevere Idee, um die unschönen Makeup-Streifen an der Kleidung zu vermeiden. Wie oft sieht man auch hierzulande ruinierte Oberteile. Ich hätte nichts dagegen, wenn der Makeup-Schutz auch bei uns in den Umkleidekabinen hängen würde.

Vegetarisch Essen in Seoul

Am Tag unserer Ankunft machen wir uns nach einer Dusche direkt wieder auf den Weg, um die Gegend zu erkunden und um dem Jetlag keine Chance zu geben. Auf Foursquare entdecken wir ein nettes Café, welches wir direkt ansteuern. Wie schon beschrieben sind die Wege durch Seoul jedoch niemals so kurz, wie sie auf Google Maps erscheinen und aus ein paar Straßen wird direkt ein ziemlich langer Fußmarsch. Am Café angekommen machen uns die Preise deutlich, was es bedeutet, sich inmitten von Gangnam zu befinden. Das muss günstiger gehen denken wir uns und so machen wir uns zu Fuß auf die Suche nach einer Alternative fürs späte Mittagessen. Wir stranden in einem kleinen traditionellen koreanischen Imbiss in Gangnam. Die Preise hier sind absolut vertretbar. Perfekte Gelegenheit, um mit koreanischen Nationalgerichten in den Urlaub einzusteigen: Kimchi und Bibimbap. Kimchi bezeichnet ganz allgemein jede Art von Gemüse, das milchsauer vergoren ist – meistens Chinakohl. Bibimbap ist ein koreanisches Gericht, bestehend aus Reis, Rindfleisch, Gemüse und Ei. In einer Schüssel werden gekochte Wurzeln, Bohnensprossen und andere exotische Zutaten neben gebratenem Rindfleisch, gekochtem Reis, Gurkenstückchen und Paste angeordnet, um am Ende mit einem Ei getoppt verrührt zu werden. Für Vegetarier gibt es das ganze natürlich auch ohne Fleisch. Bibimbap ist frisch, leicht und ziemlich gesund, da man hier alles in einer Schüssel bekommt: Kohlenhydrate, Vitamine und Proteine. Beide Gerichte sind uns zwar aus heimischen Restaurants bekannt, aber vor Ort schmeckt es ja bekanntlich noch einmal ganz anders. Ein entscheidender Unterschied ist zum Beispiel das Ei auf dem Bibimbap, welches in Korea roh und bei uns zum Spiegelei gebraten wird, weil es sonst den deutschen Vorschriften nicht genügen würde. Zu diesem klassischen Mittagsgericht werden uns wie nun zu jedem Gericht in dieser Woche reichlich kleine Starter wie Kimchi und eine Art Brot-Tee gereicht – alles nicht wirklich mein Fall, weil entweder zu scharf oder zu eigenwillig. Bei dem Tee kann ich nur vermuten, dass es sich um den Gerstentee Boricha (보리차) handelt – für uns ist der Geschmack wirklich gewöhnungsbedürftig. Vereinzelt finde ich Gefallen am eingelegten Gemüse, zum Beispiel an den Gurken. Generell sollte man sich durch alles mal ausprobieren, um herauszufinden, was den eigenen Geschmack trifft. In der folgenden Woche wird Bibimbap für mich zur sicheren Wahl, denn meist ist dies das einzige vegetarische Gericht, welches in den Restaurants angeboten wird. Doch auch in diesem Fall muss ich jedes Mal mit Händen und Füßen erklären, dass ich mein Bibimbap ohne Fleisch möchte.

Eine weitere sehr verbreitete und beliebte Speise sind koreanische Pfannkuchen (Pajeon 파전). Diese werden normalerweise zwar mit Meeresfrüchten zubereitet, aber es gibt sie auch als vegetarische Variante mit Pilzen. Beiden gemein ist das grüne Lauchgemüse in den Pfannkuchen, welches eine Mischung aus Frühlingszwiebeln und Schnittlauch iat. Extrem leckere koreanische Pfannkuchen essen wir an unserem zweiten Tag in Seoul im Koong, welches sich in Insadong befindet. Eigentlich ist das Koong ein Dumpling-Restaurant, aber diese kleinen gefüllten Teigtaschen gibt es hier leider nicht mit vegetarischer Füllung. Uns schmeckt beides. Der Preis ist mit knapp 10 Euro pro Pfannkuchen relativ hoch, aber für Seoul normal. Zwei Eingänge weiter rechts von diesem Restaurant aus befindet sich ein weiteres Restaurant, in welchem wir zwei Tage später ebenfalls himmlische Pfannkuchen essen.

Vegetarisch Essen in Seoul © Luisa Sancelean

In Hongdae finden wir ein paar Tage später durch Zufall einen kleinen Imbiss, welcher gekochte und gebratene vegetarische Dumplings anbietet – wieder gefüllt mit grünem Lauch.

Wie in den meisten asiatischen Ländern wird in Seoul viel mit gesundem Gemüse gekocht, aber leider sind auch Fleisch und Fisch, beziehungsweise Meeresfrüchte feste Bestandteile koreanischer Gerichte. Das Verständnis für Vegetarismus ist hingegen leider noch nicht sehr stark ausgeprägt. Schnell habe ich mich an Bibimbap satt gegessen und die Pfannkuchen sind zwar lecker, aber auch nicht wirklich sättigend. Vegetarische Dumplings sind eher eine Seltenheit. So kommt es, dass ich mich mit Pizza und Sandwich über Wasser halte – eine Taktik, die ich auch schon auf meiner Reise nach China angewandt habe.

Ein kleiner Tipp, für alle bei denen Tokyo nicht auf der Reiseroute steht und keine Vegetarier sind: leckeres Ramen gibt es hier.

Cafés für eine Pause in Seoul

Besser als mit den vegetarischen Essgewohnheiten sieht es in Seoul mit der Kaffeekultur  aus. Schmuck eingerichtete Cafés, wie wir sie aus Berlin kennen gibt es hier wie Sand am Meer. Daneben gibt es natürlich die üblichen Ketten wie Starbucks, aber auch koreanische Café-Ketten wie Caffe Bene. Diese könnt ihr euch aber wirklich sparen, denn bei über 17.000 Cafés in Seoul gibt es zahlreiche charmantere Alternativen. In Seoul ist der Kaffee allerdings auch nicht gerade billig. Eine Angewohnheit, die sich die Baristas außerdem hier gerne abgewöhnen dürfen ist, den Kaffee immer in To-Go-Becher zu füllen, auch wenn man das Heißgetränk offensichtlich im Café sitzend genießen will – der Umweltschutz lässt grüßen.

Unseren ersten Kaffee in Südkoreas Hauptstadt gönnen wir uns ganz unspektakulär in dem sehr kleinen, aber feinen Café Belaggia nahe dem Changdeokgung Palast.  So günstig bekommen wir unser tägliches Koffein in den nächsten Tagen nicht mehr. Dieses Café ist besonders perfekt gelegen, wenn man wie wir fälschlicherweise am Montag diesen sehenswerten Palast inklusive Secret Garden ansteuert, denn an diesem Wochentag bleiben die Tore dort verschlossen. Danach kann man sich dann mit ein wenig Zimt auf der Milchschaumhaube wieder aufheitern.

Sehr beliebt ist in Seoul nicht nur der Kaffee selbst, sondern auch der Besuch eines Themen-Cafés. Eines davon finden wir inmitten von Insadong im Kultur- und Shopping-Center Ssamziegil. Das Ddong Café hält für euch warme in Schokolade getränkte und extrem leckere Poop-Pancakes bereit und euren Kaffee schlürft ihr bei Bedarf aus einer kleinen Tisch-Toilette. Dieses Themen-Café hat es mit dem Trash-Faktor auf jeden Fall nicht übertrieben und ist einen Besuch wert.

Mein absolutes Café-Highlight ist das Pink Pool Café im Stylenanda Pink Hotel. Im obersten Stockwerk befinden sich ein Indoor-Bereich in knallig buntem Schwimmbad-Ambiente und eine Dachterrasse. Während ich die Zuckerwatten-Wolke zerrupfe, welche über meinem heißen Kaffee hängt, dringen die größten Dance-Hits der 90er Jahre in unsere Ohren. Die Wes Anderson Kulisse ist natürlich genial, die Preise überteuert. Dennoch macht es einfach Spaß hier vorbei zu schauen.

Stylenanda Pink Pool Café in Seoul © Luisa Sancelean

Stylenanda Pink Pool Café in Seoul © Luisa Sancelean

Als ein Beispiel unter vielen möchte ich euch außerdem das Dessert Café Seolbin Seoul ans Herz legen, wo ihr das berühmte koreanische Schneeflocken-Eis Bingsu genießen könnt. Hier inmitten von Myeong-dong wird euch nach einem anstrengenden Stadtbummel das Eis eurer Träume serviert.

Wer auf der Suche nach einer Kaffeepause in Hongdae ist, der kann sich zu den zwei Schafen Lala und Lulu ins Thanks Nature Cafe gesellen. Um gleich alle Bedenken aus dem Weg zu räumen – mir scheinen die Schafe recht glücklich in ihrem kleinen urbanen Gehege. Von unserem Besuch lassen sich Lala und Lulu kaum stören und wie man sieht sind sie nicht mal fotoscheu.

Thanks Nature Cafe Seoul © Luisa Sancelean

Welche Viertel in Seoul ihr entdecken solltet

Aufgrund des enormen Ausmaßes der Stadt ist es nicht wirklich empfehlenswert die Stadt auf gut Glück zu Fuß zu erkunden. Deshalb fahren wir meistens mit der Metro in die Gegend um Euljiro 1 (City Hall, Euljiro 3, Jonggak). Um allerdings in das traditionelle koreanische Viertel Bukchon Village zu kommen, müsst ihr etwas nördlicher fahren. Umgeben vom Gyeongbokgung Palast, dem Changdeokgung Palast und dem Jongmyo Schrein liegt das traditionelle Bukchon Hanok Village. Hanok beschreibt die kleinen ursprünglichen Häuser dieser Siedlung, welche heute hauptsächlich als kulturelle  Zentren, Gasthäuser, Restaurants und Teehäuser genutzt werden. Als wir kurz vor Sonnenuntergang durch die kleinen Gassen schlendern und über die Dächer des Dorfes hinwegsehen sind kaum noch Menschen unterwegs. Zur Hochsaison sieht das hier sicher anders aus. Umgeben von Wolkenkratzern wurde hier wirklich noch ein kleines malerisches Seoul aus früheren Zeiten erhalten. Hier könnt ihr einfach mal abschalten und den Menschenmassen in der Innenstadt entkommen.

Bukchon Hanok Village in Seoul © Luisa Sancelean

Wir durchstreifen die kleinen Gassen auf eigene Faust und gelangen zum Bukchon Observatory, von wo aus wir über alle Dächer der Siedlung blicken können. Ein bisschen witzig ist der Besuch hier schon, denn eigentlich hat sich ein findiger Koreaner inklusive Papagei nur überlegt, dass er mit dem Ausblick in seiner Hütte sicher ganz Geld verdienen könnte und so hat er sich einen Wasserkocher gekauft, Tee gekocht und seine Pforten für Touristen geöffnet. Da die umgerechnet circa drei Euro Eintritt jetzt nicht die Welt sind, kann man sich das kurze Vergnügen des Ausblicks aber ruhig gönnen. Um die Entspannung perfekt zu machen besuchen wir nach unserem Spaziergang noch das Teehaus Cha Masineun Tteul. Auf dem Boden sitzend  beobachten wir durch die Glasfassade, wie sich draußen der Himmel dunkel färbt und genießen unsere Teeaufgüsse in traditioneller Weise.

Teehaus Cha Masineun Tteul in Seoul © Luisa Sancelean

Leider schaffen wir es in unserer Woche Seoul nicht den Fischmarkt Noryangjin zu besuchen, dafür aber den Gwangjang Market. Dieser Indoor-Markt bietet neben frisch zubereiteten Speisen ebenso Textilien, Haushaltswaren, Lebensmittel und Kleidung an. Als ich auch hier die bekannten Lauch-Pfannkuchen entdecke, wiege ich mich in Sicherheit und bestelle direkt eine Portion. Doch wie soll es anders sein – dieses Mal zieren Garnelen mein Gericht. Die koreanische Übersetzung für „vegetarisch“ in meinem Reiseführer scheint noch nie jemand hier gehört zu haben und so versuchen wir wieder mit Händen und Füßen begreiflich zu machen, dass wir gern noch einen reinen Gemüse-Pfannkuchen bestellen möchten. Nach einiger Verwirrung und einem dennoch delikatem Mittagessen schlendern wir weiter über den Markt. Gerüche und Anblicke sind extrem, teilweise kann ich nicht einmal erahnen welche Teile vom Tier hier zubereitet werden. Außerdem entdecken wir so einige Meerestiere auf den Tellern, welche wir vorher noch nie gesehen haben. Einen Oktopus lebend zu verspeisen scheint hier auch das Normalste der Welt zu sein. Beim anschließenden Souvenir-Kauf scheitert es an den extrem hohen Teepreisen – Ginseng ist kein Schnäppchen. Alternativ kaufen wir ein wundervolles Essstäbchen-Set in poliertem Messing.

Gwangjang Market in Seoul © Luisa Sancelean

Ganz klassisch klappern wir während unserem einwöchigen Seoul-Aufenthalt auch ein paar Sehenswürdigkeiten ab. An unserem ersten Tag kaufen wir im Gyeongbokgung Palace direkt ein Ticket für knapp zehn Euro, mit welchem wir alle fünf großen Paläste der Stadt besichtigen können. Unter den Touristen gibt es zahlreiche Besucher, die in traditionellen koreanischen Gewändern kommen – für sie ist der Eintritt kostenlos. Die Kostüme können in Verleihgeschäften nahe den Palästen gemietet werden. Vorrangig kommen natürlich junge Asiatinnen mit diesen Gewändern, aber auch ein paar westliche Touristen mischen sich unters Volk. Ich für meinen Teil kann mich schon an Karneval nichts fürs Verkleiden erwärmen, also auch nicht hier.

Gyeongbokgung Palace in Seoul © Luisa Sancelean

Gyeongbokgung Palace in Seoul © Luisa Sancelean

Gyeongbokgung Palace in Seoul © Luisa Sancelean

Für mich ist der Gyeongbokgung Palast der schönste Palast von allen, aber vielleicht kommt ihm auch nur zu Gute, dass wir ihn als erstes  besuchen. Man muss ehrlich sagen, dass alle Paläste sich zu ähnlich sehen, als dass man beim fünften Palast noch ausreichend excited sein könnte. Deswegen können wir uns zum letzten Besuch auch nicht mehr aufraffen und so fällt Gyeonghuigung aus. Der Changdeokgung Palast lockt uns mit seinem Secret Garden. Leider können wir diesen nicht auf eigene Faust besichtigen und so schließen wir uns einer geführten Tour an. Vermutlich ist dieser Teil des Palastes im Sommer eine Oase der Inspiration und Spiritualität, an diesem kalten Frühlingstag jedoch können wir uns nicht so richtig für die kahlen Bäume und die Erzählungen des Tourguides begeistern. Ich finde den geheimen Garten nicht so beeindruckend, als dass ich mir diese zähe Führung noch einmal antun würde. Den Deoksugung Palace besichtigen wir nach Sonnenuntergang, da die angestrahlten Gebäude bei Nacht noch einmal völlig anders anmuten und dies der einzige Palast ist, den man zu später Stunde noch besuchen kann.

Gyeongbokgung Palace (경복궁)in Seoul © Luisa Sancelean

Gyeongbokgung Palace (경복궁)in Seoul © Karl Schaeffler

Seoul von oben betrachten wir vom N Seoul Tower aus. Der Fernsehturm steht auf dem Berg Namsan (243 m ü. N.N.) und ist mit einer Seilbahn, mit dem Bus oder zu Fuß zu erreichen. Wir entscheiden uns für die Seilbahn und mit dem Fahrstuhl geht es dann noch einmal 230 Meter höher auf die 360° Panorama Aussichtsplattform. Das Ausmaß der Stadt ist selbst von so weit oben kaum zu erfassen, es lohnt sich also auf jeden Fall den Weg auf sich zu nehmen, um einen Eindruck davon zu gewinnen.

N Seoul Tower © Karl Schaeffler

Natürlich statten wir auch dem beliebten Touristenviertel Insadong einen Besuch ab. Hier habt ihr die Möglichkeit durch viele kleine Läden zu schlendern und Souvenirs zu shoppen. Auch gute Restaurants findet man hier einige. In unmittlebarer Nähe zu Insadong befindet sich außerdem der bedeutendste buddhistische Tempel Südkoreas. Der Jogyesa Tempel liegt im Herzen der Stadt und lädt zu einer Pause im Großstadtgebaren ein. Wir besuchen den Jogyesa Tempel bei Einbruch der Dunkelheit, um die besondere Atmosphäre der zahlreichen leuchtenden Papierlaternen zu genießen. Die späte Uhrzeit bietet außerdem den Vorteil, dass man den meisten Touristen aus dem Weg geht. Wir sind zu unserem Besuch fast allein auf der Tempelanlage unterwegs. Die farbenprächtigen Verzierung und die Architektur sind wirklich beeindruckend der perfekte Ort, um Kraft und Energie zu tanken.

 Jogyesa Tempel in Seoul © Luisa Sancelean

Der Bongeunsa Tempel ist der zweite große buddhistische Tempel in Seoul und liegt in Samseong-dong, Gangnam-gu. Auch dieser traditionelle Tempel beeindruckt mit seinem Laternenmeer und der kleinen Tempelanlage, welche inmitten von Wolkenkratzern gelegen ein absurdes Bild ergibt. Hier entdecken wir auch den ersten Kirschbaum in voller Blüte natürlich hatten sich die asiatischen Touristen mit ihren Teleobjektiven schon darum versammelt.

Bongeunsa Tempel in Seoul © Luisa Sancelean

Bongeunsa Tempel in Seoul © Luisa Sancelean

Bongeunsa Tempel in Seoul © Luisa Sancelean

Gut zu wissen für deinen Aufenthalt in Seoul

Leider habe ich unsere Ausgaben nicht verfolgt und kann kaum sagen, wie viel wir in einer Woche Seoul ausgegeben haben. Fest steht, dass sich die Kosten im Vergleich zu Berlin kaum unterscheiden. Egal ob Essen, Shoppen oder öffentlich Verkehrsmittel – es ist alles nicht extrem teuer, aber auf Schnäppchenjagd kann man hier trotzdem kaum gehen.

Die Taxis in Seoul führen ein merkwürdiges Eigenleben. Als wir unter der Woche nach einem Drink nach Hause wollen bekommen wir direkt ein Taxi. Der Preis ist mit circa fünf Euro wirklich günstig. Ganz anders sieht die Lage aber von Freitag bis Sonntag aus, denn dann herrscht besonders in Gangnam Ausnahmezustand. Da jeder zu dieser Zeit ein Taxi will und es zu wenige Taxis für zu viele Menschen gibt, sehen sich die Taxifahrer in der glücklichen Lage sich ihre Gäste aussuchen zu können. Das zieht auch nach sich, dass sie sich ihre Preise aussuchen können. Als wir uns am Freitagabend auf den Weg nach Itaewon machen wollen ist es ein Ding der Unmöglichkeit ein Taxi für uns zu gewinnen. Auf dem Rückweg geht das gleiche Spiel von vorne los. Hunderte Menschen wollen gleichzeitig ein Taxi und so lassen es sich die Fahrer nicht nehmen, gemütlich rechts ranzufahren, sogar auszusteigen und überhöhte Preise anzubieten, bis einer anbeißt. Um wieder zur Unterkunft zu kommen müssen wir uns auf das Gebaren einlassen und bezahlen circa zwanzig Euro für den Heimweg.

Changgyeonggung Palace (창경궁) © Karl Schaeffler

Nachtleben in Seoul

Am Freitagabend stürzen wir uns ins Nachtleben von Seoul. Nach Ausschluss der exklusiven Clubs, in welche man nur an Tischen sitzend sprudelnde Getränke in sich kippt sowie allen Clubs in denen nur K-Pop aufgelegt wird, entdecken wir den Club Faust. Dieser befindet sich wie zahlreiche andere Clubs und Bars im aufsteigenden Partyviertel Itaewon. Ein Blick auf das Lineup verrät, dass sich die Clubszene in Seoul nicht zu verstecken braucht. An diesem Abend spielt Rampue, ein DJ den wir natürlich aus den Berliner Clubs gut kennen.

Bevor wir das Faust allerdings entdecken verlaufen wir uns in einen anderen heimisch klingenden Club. Also wir im Platoon Sonnendeck ankommen wissen wir noch nicht, dass es sich nicht um das Faust handelt, denn auch hier legen deutsche DJs an diesem Abend auf. An der Bar gibt es Club Mate und Augustiner, die Menschen hier sind wie wir dem K-Pop abgewandt. Nur eins macht uns stutzig: Die Tanzfläche ist leer. Nach einer Stunde leiten wir noch einmal tiefergehende Recherchen auf Facebook ein und siehe da, Vergleiche des Ambientes mit dem auf den Fotos zeigen deutlich, dass wir uns im falschen Club befinden.

Die Straße weiter hoch entdecken wir nun endlich das richtige Faust. Der Eintritt beträgt knapp zehn Euro und dazu gibt es ein Freigetränk. Auch im vorherigen Club hätten wir eigentlich diesen Preis löhnen müssen, nur zufälligerweise hat uns ein Schleichweg durch den unbewachten Hintereingang in den Club geführt, wodurch wir zunächst nicht einmal bemerkten, dass dies nicht der offizielle Eingang ist.

Neben Itaewon ist natürlich auch das Studentenviertel Hongade für einen nächtlichen Ausflug prädestiniert. Hier besuchen wir unter der Woche eine sehr urige Bar, in der wir live beobachten können, wie sich Südkoreaner in den berühmten asiatischen Suff treiben. Tatsächlich scheinen die Einheimischen nicht so viel zu vertragen oder sie trinken wirklich überdurchschnittlich viel, denn noch nie zuvor habe ich so viele so zerstörte Alkoholleichen auf einem Haufen gesehen wie hier. Zumindest bis dato, denn das sollte sich in Tokyo noch ändern.

Dass dieser Eindruck nicht täuscht, das bestätigt uns eine Barinhaberin in Gangnam. In ihrem Lokal spielt sie alternative Musik und serviert Cocktails statt Soju. Nach einem äußert unterhaltsamen Abend in dieser Bar kommen wir mit ihr ins Gespräch und sie erzählt uns, dass sie den Laden nach unzähligen Jahren nun verkaufen muss, weil die Gäste ausbleiben und sie keinen Cent mehr übrig hat. Traurig zu sehen, wo doch Läden wie diese, in denen kein K-Pop gespielt wird eine absolute Seltenheit sind in Seoul.

Souvenirs von deiner Reise nach Seoul

Viele wundervolle Kleinigkeiten könnt ihr im Stationary Shop Artbox finden. Die Filialen sind über die gesamte Stadt verteilt. Ich habe hier kleine Pins für meine Jacke geshoppt, Postkarten und Paper Goods. Es gibt allerdings noch viel mehr in diesem Allerlei-Laden zu entdecken.

Postkarten sind in Seoul ziemlich schwer zu finden. Anders als in Europa werden sie einem hier nicht an jeder Ecke hinterher geworfen. Stattdessen muss man schon intensiver danach Ausschau halten. Ein paar ziemlich simple Modelle könnt ihr in Insadong finden. Allerdings sind die Motive auch schon etwas überholt und wiederholen sich an jedem Stand. Besser als nichts allerdings. Ganz sweete Postkarten gibt es außerdem im Handmade Design Shop Waterdropsonata im Ssamziegil. Bei den Karten ist allerdings der Bezug zu Seoul nicht so wirklich gegeben. Wie bereits erwähnt ist Artbox allerdings noch eine gute Adresse, um koreanische Postkarten zu finden.

Essstäbchen sind natürlich auch ein perfektes typisches Mitbringsel aus Seoul – außer man ist ein großer Asien-Reisender und hat schon von den letzten drei Asien-Aufenthalten Essstäbchen mitgebracht. Bei mir ist es allerdings bereits fünf Jahre her und statt Holzstäbchen gibt es dieses Mal Stäbchen aus poliertem Messing.

Für meine Daheimgebliebenen gibt es natürlich auch etwas von der Beauty Shop Ausbeute. In den Shops gibt es so viele außergewöhnliche Handcremes etc. zu entdecken, so dass auch dies ein perfektes Mitbringsel sein kann.

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